Was ist Gesundheitskompetenz

Definitionen

Der Begriff Gesundheitskompetenz ist vielschichtig und es gibt zahlreiche Definitionen, z.B.

Gesundheitskompetenz (engl. Health Literacy) bezeichnet die Fähigkeit einer Person, sich über Fragen zur Gesundheit zu informieren und Entscheidungen treffen zu können, die die Gesundheit fördern und erhalten. Dazu gehört die Fähigkeit, sich Informationen zu verschaffen, diese zu verstehen und umsetzen zu können [Quelle: IQWiG 2004]

Das Netzwerk interpretiert Gesundheitskompetenz umfassend unter Berücksichtigung der aktuell von der WHO verbreiteten Definition. [Quellen: Sørensen 2012, WHO 2016Bitzer 2018]

Gesundheitskompetenz umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen von Menschen in Bezug darauf, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Bereichen der Krankheitsheitsbewältigung, der Krankheitsprävention und der Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, die die Lebensqualität im gesamten Lebenslauf erhalten oder verbessern.

Im englischen Sprachraum ist das Konzept unter dem Begriff der Health Literacy bekannt.

Die US National Library of Medicine nennt unter anderem folgende Definitionen:

  • Health literacy is the degree to which individuals have the capacity to obtain, process, and understand basic health information and services needed to make appropriate health decisions.” [Quelle: National Action Plan to Improve Health Literacy, USA 2010]
  • “Health literacy is the use of a wide range of skills that improve the ability of people to act on information in order to live healthier lives. These skills include reading, writing, listening, speaking, numeracy, and critical analysis, as well as communication and interaction skills.” [Quelle: Calgary Charter, Canada 2011 ]

Eine gesundheitskompetente Person nutzt Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten in Gesundheitsfragen.

Sie ist motiviert und befähigt,

  • Verlässliche Gesundheitsinformationen und nützliche gesundheitsbezogene Angebote (Dienstleistungen und Waren) zu finden,
  • deren Nutzen und Risiken zu verstehen und zu bewerten
  • und (entsprechend) zu handeln – zu Hause, am Arbeitsplatz, im Gesundheits- und Bildungssystem und in der Gesellschaft ganz allgemein.

Gesundheitskompetenz ist jedoch nicht alleine eine Angelegenheit des Gesundheitswesens. Es handelt sich auch um ein «transversales» Thema, wo neben Patientenorganisationen, Heil- und Gesundheitsberufe,  Krankenversicherern oder  auch der Bildungsbereich, Ernährungs- und Sportindustrie sowie Wissenschaft und Politik. [Quelle: modifiziert nach Schweizerische Allianz Gesundheitskompetenz]

Die Stärkung der Gesundheitskompetenz ist eine der Voraussetzungen dafür, dass Bürgerinnen und Bürger über ihren Gesundheitszustand und ihre Gesundheitsversorgung selbstbestimmt entscheiden können.

Mangelnde Gesundheitskompetenz

Mangelnde Gesundheitskompetenz ist ein wirkliches gesellschaftliches Problem. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung glaubt, eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz zu haben. [Quelle: Schaeffer et al. 2017]

Über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz zu verfügen, kann bedeuten,

  • Orientierungsschwierigkeiten im Gesundheitssystem zu haben,
  • häufiger nicht zu wissen, an wen man sich bei gesundheitlichen Problemen wenden soll,
  • häufiger in das Krankenhaus eingewiesen zu werden,
  • öfter den ärztlichen Notfalldienst in Anspruch zu nehmen und häufiger vor Kommunikationsschwierigkeiten mit den Gesundheitsberufen gestellt zu sein.
  • Zudem verfügen Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz nach ihrer eigenen Einschätzung häufiger über einen schlechten Gesundheitszustand.  [Quelle: Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz]

 

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  • Autoren: Team DNGK
  • Letzte Überarbeitung:  23. 02. 2019