Gesundheitskompetenz

Was ist Gesundheitskompetenz?

Gesundheitskompetenz bedeutet verlässlich informiert entscheiden können!

Der Begriff Gesundheitskompetenz ist vielschichtig, wie die zahlreichen Definitionen zeigen.

Hier einige Beispiele:

Gesundheitskompetenz (engl. Health Literacy) bezeichnet die Fähigkeit, sich über Fragen zur Gesundheit zu informieren und gesundheitsförderliche Entscheidungen treffen zu können. Eine gesundheitskompetente Person ist in der Lage, sich Informationen zu verschaffen zu können, die verständlich und anwendbar sind. [Quelle: IQWiG 2004]

Das Netzwerk interpretiert Gesundheitskompetenz umfassend unter Berücksichtigung der aktuell von der WHO verbreiteten Definition. [Quellen: Sørensen 2012, WHO 2013Bitzer 2018]

Gesundheitskompetenz umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen von Menschen

    • um relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form finden zu können,
    • sie zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden,
    • um im Alltag in den Bereichen der Krankheitsbewältigung, der Krankheitsprävention und der Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, die die Lebensqualität im gesamten Lebenslauf erhalten oder verbessern.

Gesundheitskompetenz ist der Grad, zu dem Individuen durch das Bildungs-, Sozial und/oder Gesundheitssystem in die Lage versetzt werden, die für angemessene gesundheitsbezogene Entscheidungen relevanten Gesundheitsinformationen zu finden, zu verarbeiten und zu verstehen. [Quelle: Bitzer, Ernstmann 2019 ]

Im englischen Sprachraum ist das Konzept unter dem Begriff der Health Literacy bekannt.

Die US National Library of Medicine nennt unter anderem folgende Definitionen:

    • Health literacy is the degree to which individuals have the capacity to obtain, process, and understand basic health information and services needed to make appropriate health decisions.” [Quelle: National Action Plan to Improve Health Literacy, USA 2010]
    • “Health literacy is the use of a wide range of skills that improve the ability of people to act on information in order to live healthier lives. These skills include reading, writing, listening, speaking, numeracy, and critical analysis, as well as communication and interaction skills.” [Quelle: Calgary Charter, Canada 2011 ]

Eine gesundheitskompetente Person nutzt Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten in Gesundheitsfragen. Denn sie ist motiviert und dazu befähigt, verlässliche Gesundheitsinformationen und Entscheidungshilfen, seriöse und unabhängige Erfahrungsberichte von Patient*innen und ihren Angehörigen (sogenannte Patientengeschichten), sowie nützliche gesundheitsbezogene Angebote (Dienstleistungen und Waren) zu finden. Gesundheitskompetenz bedeutet auch, dass man Nutzen und Risiken von Informationen, Dienstleistungen und Waren verstehen und bewerten und sie im Alltag berücksichtigen kann.

Die Stärkung der Gesundheitskompetenz ist eine der Voraussetzungen dafür, dass Bürgerinnen und Bürger über ihren Gesundheitszustand und ihre Gesundheitsversorgung selbstbestimmt entscheiden können.

Drei Stufen-Modell Gesundheitskompetenz

Gesundheitskompetenz kann nach Don Nutbeam (2000) in Form von drei aufeinander aufbauende Stufen charakterisiert werden:

    • Stufe 3: Kritische Gesundheitskompetenz
    • Stufe 2: Interaktive Gesundheitskompetenz
    • Stufe 1: Funktionale Gesundheitskompetenz

Mit der funktionalen Gesundheitskompetenz sind dabei die für das Verstehen und die Nutzung von gesundheitsspezifischen Informationen und Angeboten vorausgesetzten Grundkompetenzen wie Lesen und Schreiben gemeint.

Unter die interaktive Gesundheitskompetenz fallen alle kognitiven und sozialen Fertigkeiten, die für eine aktive Auseinandersetzung mit gesundheitsrelevanten Informationen aus den verschiedenen Bereichen des sozialen und gesellschaftlichen Lebens notwendig sind, und deren Umsetzung möglich machen.

Die kritische Gesundheitskompetenz schliesslich meint die Fähigkeit zu einem hinterfragenden, differenzierten Umgang mit Information bezüglich Gesundheit – wie beispielsweise eine kritische Beschäftigung mit gesundheitsbezogenen Informationen aus dem Internet.

[Quellen: Nutbeam 2000, Präventionslexikon Infodrug.CH, 2018]

Organisationale Gesundheitskompetenz

Das DNGK hat 2019 ein Positionspapier zur Organisationalen Gesundheitskompetenz vorgelegt.

Die Stellungnahme “Mehr Organisationale Gesundheitskompetenz in die Gesundheitsversorgung bringen” fordert eine neue Sicht auf die  Gesundheitskompetenz in unserer Gesellschaft:

Gesundheitskompetenz zu erreichen, liegt nicht allein in der Verantwortung des oder der Einzelnen, sondern muss auch als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden.

Gerade Einrichtungen, die Gesundheitsversorgung gestalten, kommt hier eine besondere Verantwortung zu. Ihre Aufgabe ist es, allen Klient*innen entsprechend ihrer Bedürfnisse gute Gesundheitsentscheidungen zu ermöglichen, sie zu unterstützen und entsprechende Rahmbedingungen zu schaffen. [Quelle: DNGK Positionspapier Organisationale Gesundheitskompetenz, 2019]

Gesundheitskompetenz ist nicht alleine eine Angelegenheit des Gesundheitswesens. Vielmehr handelt es sich um ein Thema, das  Patientenorganisationen sowie Heil- und Gesundheitsberufe ebenso angeht wie den Bildungsbereich und die Politik. [Quelle: modifiziert nach Schweizerische Allianz Gesundheitskompetenz]

Mangelnde Gesundheitskompetenz

Mangelnde Gesundheitskompetenz ist ein wirkliches gesellschaftliches Problem. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung glaubt, eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz zu haben. [Quelle: Schaeffer et al. 2017]

Über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz zu verfügen, kann bedeuten,

    • Orientierungsschwierigkeiten im Gesundheitssystem zu haben,
    • häufiger nicht zu wissen, an wen man sich bei gesundheitlichen Problemen wenden soll,
    • häufiger in das Krankenhaus eingewiesen zu werden,
    • öfter den ärztlichen Notfalldienst in Anspruch zu nehmen und häufiger vor Kommunikationsschwierigkeiten mit den Gesundheitsberufen gestellt zu sein.

Zudem verfügen Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz nach ihrer eigenen Einschätzung häufiger über einen schlechten Gesundheitszustand.  [Quelle: Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz]

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Autor: DNGK-Redaktionsteam
Letzte Überarbeitung: 16.09.2021