Gutes Corona-Wissen in der Bevölkerung. Aber Verunsicherung durch ein Übermaß an Fehlinformationen

Gesundheitskompetenz der Bevölkerung im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie

Studie im Auftrag des Interdisziplinären Zentrums für Gesundheitskompetenzforschung der Universität Bielefeld und der Hertie School of Governance, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach

Autorinnen und Autoren: Orkan Okan, Steffen de Sombre, Klaus Hurrelmann, Eva-Maria Berens, Ullrich Bauer, Doris Schaeffer

Die große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland fühlt sich über die Corona-Pandemie gut oder sogar sehr gut informiert. Das ergibt eine repräsentative Befragung von 1.000 Personen ab 16 Jahren, die im Auftrag des Interdisziplinären Zentrums für Gesundheitskompetenzforschung der Universität Bielefeld und des Department of Public Health and Education der Hertie School of Governance in Berlin vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde. Schwerpunkt der Befragung war die „Gesundheitskompetenz“ der Bürgerinnen und Bürger, worunter ihre Einschätzung verstanden wird, wie gut es gelingt, die Informationen zur Corona-Pandemie zu finden, zu verstehen und auf dieser Basis Konsequenzen für das eigene Verhalten zu ziehen. Die insgesamt positive Einschätzung der Bevölkerung ist nach Ansicht des Forschungsteams auf die klaren Entscheidungen der politischen Akteurinnen und Akteure und die Maßnahmen der behördlichen Einrichtungen zurückzuführen, die insgesamt als verständlich und nützlich wahrgenommen werden.

Wie die Studie zeigt, fühlen sich 29 Prozent der Befragten sehr gut informiert, weitere 61 Prozent gut. Lediglich neun Prozent halten sich für weniger gut informiert, nur ein Prozent der Bevölkerung für gar nicht gut. Annähernd 90 Prozent beurteilen es als einfach oder sehr einfach, im Internet Informationen über Verhaltensweisen zu finden, die helfen, einer Infektion mit dem Coronavirus vorzubeugen oder die Anweisungen des eigenen Arztes, Apothekers oder von Pflegekräften zu Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus zu verstehen.

Das Forschungsteam war von diesem positiven Ergebnis überrascht, weil bisherige Untersuchungen ergeben hatten, dass über die Hälfte der Bevölkerung grundsätzlich große Schwierigkeiten hat, die nötigen Informationen über gesundheitliche Vorbeugung und den Umgang mit Krankheiten zu finden und richtig einzuordnen. „Über das Krankheitsbild von Corona haben die Menschen aber offenbar so viele Informationen und über die Beschlüsse von Bund und Ländern so viele konkrete Verhaltensanweisungen erhalten, dass sie sich sicher fühlen“, so der Koordinator des Forschungsteams Dr. Orkan Okan von der Universität Bielefeld. Die Ergebnisse dieser Studie müssten vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass Informationen zum Coronavirus den Lebensalltag gegenwärtig sozial und digital vollumfänglich durchdringen und eine hohe Alltagsrelevanz besitzen.

Allerdings kommt die Studie auch zu einem problematischen Befund: Eine Mehrheit der Bevölkerung (56 Prozent der Befragten) fühlt sich in der gegenwärtigen Krise durch die Vielfalt an Informationen zum Thema COVID-19 verunsichert und weiß nicht mehr genau, welchen Informationen sie trauen sollen. Die Verunsicherung ist in der jungen Bevölkerung verbreiteter als unter Älteren: Personen unter 45 Jahren empfinden zu 14 Prozent große Verunsicherung, weitere 47 Prozent sind etwas verunsichert. Ab 60-Jährige sind dagegen zu sieben Prozent sehr und zu 39 Prozent etwas verunsichert, welchen Informationen sie im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie trauen sollen.

Der Forschungsbericht ist hier als pdf-Datei verfügbar.

Für Rückfragen: Dr. Orkan Okan, Universität Bielefeld

Email: orkan.okan@uni-bielefeld.de

DNGK beteiligt sich an Public Health COVID-19

Kompetenznetz Public Health zu COVID-19

Das Kompetenznetz Public Health zu COVID-19 ist – unter Beteiligung des DNGK – ein Ad hoc-Zusammenschluss von über 15 wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Verbänden aus dem Bereich Public Health, die hier ihre, methodische, epidemiologische, statistische, sozialwissenschaftliche und (bevölkerungs-)medizinische Fachkenntnis bündeln. Gemeinsam vertreten wir mehrere Tausend Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ziel ist es, schnell sowie flexibel interdisziplinäre Expertise zu COVID-19 für die aktuelle Diskussion und Entscheidungsfindung zur Verfügung zu stellen. Dafür werden wissenschaftliche Erkenntnisse zusammengestellt, aufbereitet und in möglichst leicht verständlicher Form verbreitet. Je nach Thema und Zielgruppe nutzen wir unterschiedliche Formate wie z.B. Stellungnahmen, Paper, Methodensammlung.

Die Informationen richten sich primär an Behörden, Institutionen und politische Entscheidungsträger*innen.

Stellungnahmen der beteiligten Fachgesellschaften: siehe https://www.public-health-covid19.de/stellungnahmen.html .

DNGK News März 2020

DNGK News März 2020

DNGK-Projekte

Informationen zu COVID-19

Aus aktuellem Anlass haben wir die Webseite https://dngk.de/corona/ eingerichtet. Sie finden hier ausgewählte Informationsangebote, insbesondere auch von Mitgliedern und Partnern des DNGK.

AG Gute Praxis Patienten-Geschichten (GPPG)

Im März hat sich die Arbeitsgruppe zur Konsentierung von Qualitätskriterien für Patientengeschichten / Krankenerfahrungen konstituiert. Beteiligt sind – neben Mitglieder und Partnern des DNGK – wie NAKOS, Krebsinformationdienst, Share to Care, Takepart Media – das IQWIG (gesundheitsinformation.de), die Stiftung Gesundheitswissen, Patientengeschichten.Online, sowie DIPex Deutschland (krankheitserfahrungen.de) und DIPex Schweiz.

Stellungnahme zum Nationalen Gesundheitsportal, 5.3.20

DNGK fordert vom Bundesgesundheitsminister: Garantieren Sie Informationsvielfalt. Die Chance eines Nationalen Gesundheitsportals: Existierende vertrauenswürdiger Informationsangebote zu Gesundheit und Krankheit sichtbar machen. Die Stellungnahme finden Sie unter https://dngk.de/nationales-gesundheitsportal-stellungnahme-maerz-2020/

Aktuelles von DNGK-Mitgliedern und -Partnern

Aufruf zur Studienteilnahme “Selbst aktiv bei Allergie”

Selbst aktiv bei Allergie“ ist eine digitale, evidenzbasierte und interaktive Intervention mit verschiedenen Lernmodulen, die das individuelle Vorwissen der Nutzer*innen berücksichtigt und deren Fähigkeiten im Umgang mit Allergien. Das Programm richtet sich an Menschen mit leichten bis mittelschweren Allergien im Alter zwischen 18 bis 75 Jahren. Im Rahmen einer prospektiven randomisierten Studie soll der Effekt der Intervention auf die Allergiekontrolle untersucht werden. Gesucht werden dazu 300-600 Menschen, die „Selbst aktiv bei Allergie“ ab sofort für einen Zeitraum von 4 bis 12 Wochen nutzen möchten. Nach Abschluss der Studie soll das Angebot kostenfrei und nichtkommerziell verfügbar sein. Weitere Informationen unter https://www.selbstaktivbeiallergie.de/upload/Flyer-Selbst-aktiv-bei-Allergie.pdf