Jahresbericht 2019

Vorwort der Vorsitzenden des DNGK, Corinna Schaefer, zum Jahresbericht 2019

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder,

das DNGK legt seinen ersten Tätigkeitsbericht vor. Und der ist prall gefüllt. Vor genau einem Jahr, am 23. Januar 2019, fand die Gründungsversammlung des Vereins im Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie des Uniklinikums Köln statt. Elf Menschen, denen die Förderung der Gesundheitskompetenz über alle Berufs- und Fächergrenzen hinweg ein wichtiges Anliegen ist, sahen in einem Netzwerk das richtige Medium, um dieses Anliegen zu fördern. Dieses Netzwerk wächst nun stetig und zählt inzwischen fast 70 Mitglieder. Die sind sehr engagiert und am gemeinsamen Austausch interessiert, wie unter anderem der erste Kölner Workshop Gesundheitskompetenz im September 2019 gezeigt hat.

Der Verein hat einiges unternommen, um seine Strukturen transparent und effektiv zu organisieren. Wer die Satzung, die jeweiligen Geschäftsordnungen oder das Redaktionsstatut bislang noch nicht genauer gelesen hat, kann dies im Tätigkeitsbericht nachholen. Herausragend sind nach meiner Einschätzung vor allem die Regeln zum Interessenkonfliktmanagement, die sich nach den strengen Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften richten. Der Verein hat zudem a priori definiert, welche Ämter und Aufgaben mit einem Vorstandsamt unvereinbar sind.

Eine Reihe Partnerschaften mit gleichgesinnten Organisationen hat das Netzwerk geschlossen, einige davon mündeten schon in gemeinsame Veranstaltungen. Der Dialog mit anderen Einrichtungen geht weiter, denn das ist unser Ziel: ins Gespräch kommen, den Austausch fördern, Ressourcen geschickt steuern. Das kann man auch in unserem Leitbild nachlesen, das sich nicht nur auf der Internetseite, sondern auch in diesem Bericht findet.

Die Internetseite ist in einem Jahr auf einen beachtlichen Inhalt angewachsen, besonderes Augenmerk seitens des Vorstandes gilt der E-Bibliothek zu Gesundheitskompetenz, die laufend um relevante Publikationen ergänzt wird.

Auch inhaltlich war das Netzwerk in den vergangenen 12 Monaten sehr aktiv: Mehrere Fachbereiche haben sich gegründet. Der erste, der FB organisationale Gesundheitskompetenz, hat sich auf dem ersten Kölner Workshop im September vorgestellt und seine Arbeit mit den Mitgliedern diskutiert. Daraus hervorgegangen ist das erste Positionspapier des DNGK, das nicht nur auf unserer Internetseite veröffentlicht ist, sondern auch in der Deutschen Nationalbibliothek. Der Fachbereich Medien, neu gegründet und gerade installiert, stellt sich auf dem 2. Kölner Workshop am 28. Februar 2020 den Mitgliedern vor und plant mit ihnen gemeinsam sein Arbeitsprogramm. Es sieht also so aus, als ginge es so intensiv weiter, wie im ersten Jahr.

Das Netzwerk lebt von den Aktivitäten seiner Mitglieder. Der Vorstand unterstützt diese und begrüßt jeden, der sich über seine Mitgliedschaft hinaus engagieren möchte. Die Fachbereiche bieten gute Gelegenheit dazu. Wie aktiv das DNGK in den nächsten Jahren sein wird, hängt vor allem von Ihnen ab. In diesem Sinne: herzlich willkommen im Jahr 2 des DNGK– möge es ein erfolgreiches werden.

Berlin, 23.1.2020

Für den Vorstand

gez. Corinna Schaefer

Den Jahresbericht 2019

 

  • Autoren: Team DNGK
  • Letzte Überarbeitung:  7.4. 2021

Webseminar Forschung in Zeiten von COVID-19

DNGK-WebSeminar 

Forschung in Zeiten von COVID-19 – Herausforderungen und Lösungsansätze
5. März 2021

Am 5. März 2021 fand das 3. Webseminar der DNGK-Arbeitsgruppe Nachwuchsförderung zum Thema “Forschung in Zeiten von COVID-19 – Herausforderungen und Lösungsansätze“ statt.

Das Webseminar richtete sich primär an Promovierende und Studierende Nachwuchswissenschaftler*innen aus den Bereichen Public Health, Sozialwissenschaften, Pflegewissenschaften, Medizin, Psychologie, Gesundheitskommunikation, Gesundheitspädagogik, Sprach- oder Übersetzungswissenschaft, Versorgungsforschung und vergleichbaren Fachrichtungen.

Durch die COVID-19-Pandemie sehen sich viele Nachwuchsforscher*innen in ihrem wissenschaftlichen Arbeiten vor bisher ungeahnten Herausforderungen. Die Erreichbarkeit vulnerabler Gruppen oder aber die Frage nach der Repräsentativität der eigenen Datensätze, müssen häufig vor gänzlich neuen Bedingungen verhandelt werden. Vor diesem Hintergrund ergab sich der Anspruch, ein Webseminar zu konzipieren, welches sowohl forschungsmethodisch-/ konzeptionelle als auch forschungsethisch-/datenschutzrechtliche Aspekte aufgriff und somit lösungsorientiert auf die aktuelle Problemlage von Nachwuchswissenschaftler*innen abzielte.

Programmübersicht

IMPULS 1) Auswirkung auf Qualitative Forschung
//PROF.’in DR. DR. SASKIA JÜNGER (Professorin für Forschungsmethoden im Kontext Gesundheit – Hochschule für Gesundheit/Department of Community Health, Bochum) gab einen Einblick in die Auswirkungen der COVID-Pandemie auf qualitative Forschungsansätze und deren Umsetzung in der Praxis.

IMPULS 2) Auswirkungen auf quantitative Forschung
//DR. HENNING SILBER ( Leiter des Survey Operations Teams, GESIS – Leibniz Institute for the Social Sciences) ging auf die Herausforderung der Planung, Umsetzung und Evaluation quantitativer Forschungsdesigns unter Pandemiebedingungen ein.

IMPULS 3) Forschungsethische und datenschutzrechtlicher Herausforderungen
//DR.’in EVA-MARIA BERENS (Wissenschaftliche Leitung der Geschäftsstelle der Ethikkommission Bielefeld; Interdisziplinäres Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung, Universität Bielefeld) beleuchtete die Auswirkungen, die im Rahmen von Forschungsprozessen auf der Ebene von Forschungsethik und Datenschutz auftreten.

Gemeinsamer Multi-Perspective-Talk
In einer gemeinsamen Paneldiskussion mit den Speaker*innen wurden Fragen und Impulse aus den Vorträgen diskutiert.

Seminarbericht

Forschung in Zeiten von COVID-19 – Herausforderungen & Lösungsansätze
Am 05. März 2021 fand das Webseminar zum Thema “Forschung in Zeiten von COVID-19 – Herausforderungen und Lösungsansätze“ statt. Das neunzigminütige Seminar wurde von der Arbeitsgruppe Nachwuchsförderung des DNGK über die Plattform Zoom ausgerichtet und fand mit 60 Teilnehmenden großen Anklang.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Janine Michele, Sprecherin der DNGK-Arbeitsgruppe Nachwuchsförderung. Unter dem Motto „Wer wir sind und was uns motiviert“ stellte sie die im November 2020 gegründete AG vor und verdeutlichte in ihrer Einführung die allumfassende Gegenwärtigkeit der pandemischen Lage in unser aller Forschungsalltag.

Auch Corinna Schaefer wandte sich in ihrer Funktion als Vorsitzende des DNGK mit begrüßenden Worten an das Plenum und lud herzlich dazu ein, Mitglied im DNGK und den verschiedenen Arbeitsgruppen des Netzwerks zu werden.

Karin Drixler, stellvertretende Sprecherin der AG Nachwuchsförderung, leitete durch die Veranstaltung – gespannt auf die drei Impulsvorträge und den abschließenden Multiperspektiven-Austausch.

Die Impulsvorträge

Auswirkung auf qualitative Forschung

 Den Auftakt machte Prof.’in Dr. Dr. Saskia Jünger (Professorin für Forschungsmethoden im Kontext Gesundheit – Hochschule für Gesundheit/Department of Community Health, Bochum) mit einem Einblick in die Auswirkungen der COVID-Pandemie auf qualitative Forschungsansätze und deren Umsetzung in der Praxis. Dabei versteht sie sich als Sammlerin von Informationen im Austausch mit zahlreichen Kolleg*innen, in einem Feld, indem wir alle noch gemeinsam dazulernen.

Verschiebungen, Fristsetzungen, fehlende Planbarkeit und ein erheblicher bürokratischer Mehraufwand sind allgemeine Folgen der Pandemie für Forschungsprojekte. Im Vortrag beleuchtete Frau Jünger die Auswirkungen auf die qualitative Forschung aus vier Perspektiven.

Qualitative Forschung kann auch anders als Face-to-Face erfolgen!
Qualitative Forschungsmethoden sind oftmals von viel persönlichem Kontakt gekennzeichnet, z. B. in Form von Fokusgruppen und Interviews, weshalb die Maßnahmen zur Kontaktreduktion direkte Auswirkungen auf die angewendeten Methoden im Forschungsbereich haben. Ein Blick auf die Definition nach von Kardorff (1995) zeigt, dass qualitative Forschung auch anders als Face-to-Face erfolgen kann. Frau Jünger ermutigte dazu, den digitalen Raum zu erkunden und weitere Formen der Datenerhebung in den Blick zu nehmen. Dabei ging sie bspw. auf verschiedene Möglichkeiten synchroner und asynchroner Erhebungsmethoden ein.

Der Feldzugang muss im digitalen Raum anders gedacht werden!
Aus der ermutigenden Perspektive, dass auch die digitale Landschaft real ist, resultieren speziell in der qualitativen Forschung offene Fragen und Erfordernisse aus der Pandemie: Wie kann gute digitale Kommunikation gelingen?

Wir Forschende, so Frau Jünger, sollten auch den digitalen Raum als ethnographisches Forschungsfeld betrachten und dabei die eigene Rolle sowie die neuen Gegebenheiten reflektieren:

    • Wie wirken sich Kommunikationsformen auf die Narrative aus?
    • Wie gestalten sich Anonymität und Intimität?
    • Wen schließen wir systematisch aus?
    • Welche Rolle spielen datenschutzrechtliche Aspekte?

Es fehlen die interessanten Kaffeegespräche!
Bei allen Möglichkeiten, die uns der digitale Raum bietet, bleiben einige Herausforderungen und Risiken bestehen. Eine (angenehme) Atmosphäre oder der Netzwerkcharakter einiger Formate kann im Digitalen nur begrenzt erreicht werden. Auch die Wahrnehmung mit allen Sinnen ist für Forschende und Interviewteilnehmende nicht gegeben. Ein wichtiger Aspekt ist außerdem die Verstärkung von bestehenden Ungleichheiten, bedingt durch unterschiedliche Zugangs- und Erreichbarkeitsvoraussetzungen, die mit den Kontaktbeschränkungen und Hygienevoraussetzungen im Rahmen der Pandemie im besonderen Maße einhergehen.

Ist die qualitative Forschung in der Krise?
Frau Jünger geht der Frage nach, welche Bedeutung die derzeitige Lage für die qualitative Forschungscommunity hat und führte den Gedanken an, dass die Priorisierung von Forschung mit COVID-19-Bezug und die „Zahlenfixierung“ während der Pandemie die Gefahr mit sich bringen, dass qualitative Forschung in den Hintergrund rücken könnte. Sie nimmt wahr, dass das qualitative Erleben der Menschen und die qualitativen Zugänge derzeit verstärkt an den Rand gedrängt werden. Dabei sollte die Systemrelevanz der qualitativen Forschung nicht in Frage gestellt werden.

Folgen für die zukünftige methodische Argumentation im Sinne „analoger“ Forschung!
Auch mögliche Folgen der aktuellen Lösungsstrategien für die qualitative Forschung nach der Krise wurden in den Blick genommen. So wurde die Frage nach der zukünftigen Verteilung von Fördergeldern (z. B. im Hinblick auf Reisekosten für Präsenzveranstaltungen) oder der Etablierung neuer Hygienestandards gestellt sowie deren Auswirkungen auf die zukünftige Feldforschung.

Auswirkung auf quantitative Forschung

Im Anschluss an den spannenden Beitrag zur qualitativen Forschung beleuchtete Dr. Henning Silber (Leiter des Survey Operations Teams, GESIS – Leibniz Institute for the Social Sciences) die Herausforderung der Planung, Umsetzung und Evaluation quantitativer Forschungsdesigns unter Pandemiebedingungen. Er beleuchtete die Situation aus Sicht der Sozialforschung und eigener Erfahrungen im Rahmen seiner Arbeit im GESIS-Institut.

In seinem Vortrag thematisierte er quantitative Datenerhebungstechniken, die Auswirkungen der Pandemie in Bezug auf GESIS-Umfrageprogramme, die Repräsentativität verschiedener Erhebungsmethoden sowie Lösungsansätze und Datenbedarfe.

Die Pandemie hat insbesondere Auswirkungen auf die reaktive Forschung!
Im Rahmen verschiedener Modi von Befragungen und Beobachtungen zeigen sich auch hier, ebenso wie im Rahmen der qualitativen Forschung, Auswirkungen auf Ebene persönlicher Befragungen. Herr Silber präsentierte einen Vergleich verschiedener Befragungsmodi im Zeitverlauf von 2000 bis 2019 aus den Jahresberichten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute. Daraus geht hervor, dass Onlinebefragungen im Jahre 2000 nur einen unerheblichen Marktanteil abbildeten, während 2019 diese Befragungsform bereits den wichtigsten Modus ausmachte. Spannend wird die noch ausstehende Abbildung der Entwicklung für das Jahr 2020 in Bezug auf das Verhältnis von Telefonbefragungen und Onlinesurveys. Für die persönlichen Befragungen wird in Anbetracht der pandemischen Lage ein weiterer Rückgang erwartet.

Er erläuterte, dass dies jedoch der wichtigste Erhebungsmodus für die GESIS-Befragungen ist, von denen ein Großteil eine persönliche Befragungskomponente beinhaltet und somit stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen ist.

Das Ausweichen auf eine Quotenauswahl ist eigentlich keine Alternative!
Herr Silber führte vier Lösungsansätze für die besonders belasteten Großstudien auf, um jeweils auf die aktuellen Bedingungen der pandemischen Lage eingehen zu können.

Neben einer Verschiebung der Datenerhebung sieht er zum einen die Möglichkeit den Erhebungsmodus zu wechseln (telefonisch und/oder schriftlich und/oder online) und zum anderen verwies er auf Vor- und Nachteile einer Quoten- oder Zufallsauswahl. Er führte an, dass im Rahmen von Onlineumfragen derzeit häufig eine Quotenauswahl vorgenommen wird und hob hervor, dass eine statistische Repräsentativität jedoch nur durch Zufallsstichproben gewährleistet werden kann, mit welcher eine Berechnung von Konfidenzintervallen möglich wird.

Günstige Publikationsbedingungen für die Wissenschaft!
Für kleinere Projekte, die häufig keine Zufallsauswahl vorgesehen haben, beschrieb er eine größere Flexibilität in der Anpassung des Forschungsdesigns, insbesondere im Hinblick auf Online-Befragungen. Bspw. führte er die Rekrutierung über Social-Media-Kanäle (Facebook, Instagram) an und die im Rahmen der Pandemie verstärkte Möglichkeit, entsprechende Drittmittelanträge zu stellen oder in Special Issues zu publizieren.

Wir brauchen insbesondere Längsschnitt- und international vergleichende Daten!
Um Veränderungen in Bezug auf Einstellungen und Verhaltensweisen vor-, während und nach der COVID-19 Pandemie beobachten zu können, stellte Herr Silber die Erhebung von Längsschnittdaten als besonderen Datenbedarf heraus. Auch die Kombination von verschiedenen Methoden hob er für die multiperspektivische Beleuchtung sozialer Tatbestände hervor.

Ferner, so schloss er ab, sollten vor dem Hintergrund der globalen pandemischen Herausforderung vor allem auch international vergleichenden Daten erhoben werden.

Forschungsethische und datenschutzrechtliche Herausforderungen

Im dritten Themenblock des Seminars beleuchtete Dr.’in Eva-Maria Berens (Wissenschaftliche Leitung der Geschäftsstelle der Ethikkommission Bielefeld; Interdisziplinäres Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung, Universität Bielefeld) die Auswirkungen, die im Rahmen von Forschungsprozessen auf der Ebene von Forschungsethik und Datenschutz auftreten.

Sie verwies dabei auf die vielfältige Landschaft an Ethikkommissionen und die guten Gründe für eine ethische Begutachtung von Forschungsvorhaben. So führte sie bspw. die Publikationsrichtlinien sowie Vorgaben vieler Journals und Forschungsförderer an.

Was ist die Aufgabe einer Ethikkommission?
Eine Ethikkommission setzt sich aus Wissenschaftler*innen verschiedener Fachrichtungen zusammen. Diese prüfen und geben Stellungnahmen zu Forschungsvorhaben im Hinblick auf ethische Aspekte ab. Berücksichtigt werden insbesondere Aspekte wie die Vorkehrungen zur Minimierung des Risikos für die Studienteilnehmer*innen, das Verhältnis von Nutzen und Risiko des Vorhabens, die Qualität der Studienmaterialen zu Aufklärungs- und Einwilligungszwecken sowie (datenschutz-)rechtliche Aspekte.

Antragsstopp zu Beginn der Pandemie!
Innerhalb der nicht-medizinischen Ethikkommission zeichnete sich zu Beginn der Pandemie ein Rückgang an Ethikanträgen aus den Bereichen der Psychologie, Gesundheitswissenschaften, Linguistik und Erziehungswissenschaften ab. Dies wird im Zusammenhang mit der dort häufig verankerten persönlichen Interaktion mit Proband*innen gesehen.

Frau Berens erläuterte, dass auf Seiten der Forschenden in dieser Phase eine große Verunsicherung in Bezug auf die Wahl des Feldzugangs vorherrschte, welcher bereits in den beiden vorangegangen Vorträgen diskutiert wurde.

Lessons-Learned – Mit neuen Strategien folgte eine Welle von Änderungsanträgen!
Nach einer ersten Orientierungsphase wurden neue Strategien entwickelt, bspw. im Sinne von Hygienekonzepten und der Verwendung digitaler Kanäle, wodurch ein Aufschwung in Bezug auf die Antragstellung erfolgte. Es wurden jedoch nicht nur neue Ethikanträge eingereicht, sondern vermehrt Änderungsanträge gestellt, um das ursprüngliche Forschungsdesign den neuen Gegebenheiten anzupassen.

COVID-19 hat die Digitalisierung in der Forschung angeschoben!
Von Seiten der Ethikkommission wurden zwei große Herausforderungen festgestellt, welche den Bereich Ethik- und Datenschutz berühren. Unabhängig von der Forschungsmethode müssen Hygienekonzepte und Regeln zu Kontaktbeschränkungen beachtet werden, was meist zu einer Veränderung des Forschungsdesigns führt. Sowohl in der qualitativen als auch in der quantitativen Forschung wechselten und wechseln die Forschungsvorhaben vor allem von persönlichen Erhebungen hin zu digitalen Alternativen.

Durch diese Anpassungen werden einige Inhalte komplexer, auch im Hinblick auf die Überarbeitung von Aufklärungsmaterialien und Datenschutzkonzepten.

Daten bestimmen die Art der Nutzung von Kommunikationsdiensten!
Frau Berens beschrieb, dass im Rahmen der pandemischen Lage das klassische Face-to-Face Interview meist auf den digitalen Raum in Form einer Videokonferenz übertragen wird und damit häufig die Frage nach einer geeigneten Plattform in Verbindung steht. Es gibt eine Vielzahl von Kommunikationsdiensten, welche jedoch immer anhand der zu erhebenden Daten ausgewählt werden müssen. Sie hob hervor, dass nicht alle Dienste für die Übermittlung besonders sensibler Daten geeignet sind, welche insbesondere im Rahmen der Gesundheitskompetenzforschung erhoben werden.

Eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung gewährleistet eine stärkere Sicherheit, bringt jedoch forschungsethische Konsequenzen mit sich. Sie stellte explizit heraus, dass kritisch zu reflektieren ist, ob diese Lösung, vor dem Hintergrund der digitalen Kompetenzen von Nutzer*innen des jeweiligen Forschungsfeldes, in der Forschungspraxis umsetzbar ist.

Aber auch die Anforderungen an Forschende werden komplexer, denn sie müssen die Dateninfrastruktur kennen. Frau Berens beendete ihren Vortrag mit dem Hinweis, dass diesbezüglich die Unterstützung der Universitäten derzeit noch ausbaufähig erscheint.

Abschlussdiskussion und Fazit


Im Anschluss an die vielschichtigen und spannenden Beiträge zu den Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf die verschiedenen Bereiche der Forschung, moderierte Janine Michele einen Multiperspektiven-Austausch zwischen den Vortragenden und Teilnehmenden des Webseminars.

Faktenbox – Was haben wir voneinander mitnehmen können?

  • „Corona-Brennglas-Effekt“: Die diskutierten Herausforderungen sind nicht unbedingt neu, aber betreffen im Rahmen der Pandemie deutlich mehr Forschende.
  • Der Umgang mit Planungsunsicherheit erfordert eine hohe Flexibilität, sowohl im Rahmen qualitativer als auch quantitativer Forschung.
  • Aufklärungs- und Datenprozesse sind grundlegend komplexer.
  • Ethische Bestimmungen stehen teilweise im Widerspruch zum niederschwelligen Zugang zu benachteiligten Probandengruppen, sind derzeit nur mit sehr großem Aufwand zu überwinden und müssen weiter vor dem Hintergrund der „digitalen Kluft“ kritisch diskutiert werden.
  • Auch in der Pandemie liegen Chancen für die Wissenschaft, sich weiterzuentwickeln.
  • Wir lernen alle am besten gemeinsam! Erfahrungen und Erkenntnisse sollten innerhalb der Forschungscommunity geteilt werden.

Dank!
Wir blicken auf eine erfolgreiche und informative Veranstaltung zurück, freuen uns über die rege Teilnahme und möchten uns recht herzlich bei Frau Prof.’in Dr. Dr. Saskia Jünger, Herrn Dr. Henning Silber und Frau Dr.’in Eva-Maria Berens für ihre wertvollen Beiträge bedanken.

Ebenso richten wir unseren Dank an alle Teilnehmenden für ihr Interesse und die eingebrachten Fragen.

Nicht zuletzt möchten wir uns beim Vorstand des DNGK dafür bedanken, dass wir dieses Webseminar ausrichten durften und bei Frau Susanne Kaffka für die Unterstützung bei der Veranstaltungsorganisation.


Redaktion: Janine Michele, Karin Drixler, Lisa Bach, Jacqueline Posselt
Letzte Überarbeitung: 20.03.2021

1. Kölner Workshop Gesundheitskompetenz des DNGK, 20.9.2019

Kölner Workshop Gesundheitskompetenz des DNGK: Die organisationale Gesundheitskompetenz fördern  #dngk19

Mit Unterstützung des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE), Uniklinikum Köln

20. September 2019, Uniklinikum Köln

Über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland berichtet, so eine repräsentative Befragung, über Probleme darin, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden.

Dies stellt den Gesundheitssektor insgesamt vor einige Herausforderungen: Wenn Menschen über unzureichende Gesundheitskompetenz verfügen, haben sie Schwierigkeiten darin, selbstbestimmt in Gesundheit und Krankheit Entscheidungen zu treffen.

Hier sind auch die Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung gefordert. Sie sollten in der Lage sein, auf die Gesundheitskompetenz ihrer Klientinnen und Klienten gut zu reagieren und sich im Versorgungsprozess an den individuellen Fähigkeiten der Menschen zu orientieren.

Das Stichwort ist hier „organisationale Gesundheitskompetenz“. Organisationen, die dies umsetzen möchten, sollten das Thema wirksam in der Organisation verankern, z.B. über Qualitätsstandards und Indikatoren der Prozess- und Ergebnisqualität, über Audits und Qualitätszirkel oder Fort- und Weiterbildung zur kommunikativen Kompetenz des Fachpersonals.

Der Kölner Workshop Gesundheitskompetenz des Deutschen Netzwerks Gesundheitskompetenz (DNGK), der am 20. September im Uniklinikum Köln stattfand, befasste sich schwerpunktmäßig mit dem Thema organisationale Gesundheitskompetenz. Die Mitglieder des Netzwerks entwickelten und diskutierten Strategien zur Förderung der organisationalen Gesundheitskompetenz, und loteten mögliche Kooperationen für Implementierungsprojekte aus.

Nachstehend finden Sie eine Übersicht über die Programmpunkte der Veranstaltung.

Programm, Kölner Workshop Gesundheitskompetenz des DNGK

Freitag, 20.9.2019 Uniklinikum Köln

12:00 Get together mit Imbiss und Projektmarktplatz (siehe unten)

13:00   Begrüßung (Stephanie Stock)

13:05   Einführung: Das DNGK – Ziele, Aktivitäten, Kooperationspartner (Corinna Schaefer): Präsentation

13:30   Die Arbeitskreise des DNGK (Ansgar Jonietz)

13:45   DNGK-Schwerpunkt; Organisationale Gesundheitskompetenz “OKG” (Eva Maria Bitzer): Präsentation

    • Präsentation des Entwurfs für ein Positionspapier des DNGK
    • Moderierte offene Diskussion “Förderung der OGK” Teil 1 (Moderation: Marie-Luise Dierks)

14:30   Pause

14:45   Moderierte, offene Diskussion “Förderung der OGK” Teil 2 (Moderation: Marie-Luise Dierks)

15:15  Mitglieder-Aussprache: Anregungen, Beteiligung an Arbeitskreisen, neue Schwerpunkte des DNGK – (Moderation: Stephanie Stock)

15:45   Zusammenfassung und Ausblick (David Klemperer)

16:00   Verabschiedung (Corinna Schaefer)

Referate und Moderation

E. Bitzer, M.-L Dierks, A. Jonietz, D. Klemperer, C. Schaefer (Workshop-Leitung), St. Stock (Gastgeberin)

Projektmarktplatz PMP

Im Rahmen des PMP stellen Mitglieder des DNGK und Kooperationspartner eigene Projekte oder Projektplanungen vor. Die Präsentationen werden von Vorstandsmitgliedern des DNGK moderiert..

Organisation / Projekte Beteiligte
ceres – Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health – Universität zu Köln

https://www.ceres.uni-koeln.de

Projekte:

    • Gender-spezifische Gesundheitskompetenz von Individuen mit Migrationshintergrund: Systematischer Review mit Metaanalyse von individuellen Teilnehmerdaten (GLIM)
    • Entwicklung einer Orientierungshilfe zur Stärkung der Verbraucherkompetenz beim Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationsangeboten (OriGes)
    • Ethische Aspekte und Gesundheitskompetenz bei Menschen mit Cochlea-, Glaukom- und kardiovaskulären Implantaten (RESPONSE)
    • Gesundheitskompetenz von Risikopersonen – von der Information zum Handeln (RisKomp)
Saskia Jünger
Angela Aldin
Annika Baumeister
Laura Harzheim
Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) Uniklinikum Köln

http://gesundheitsoekonomie.uk-koeln.de/

Projekte:

    • Entwicklung und Pilotierung einer Entscheidungshilfe zur Unterstützung der Entscheidungsfindung im Rahmen der risikoadaptierten Prävention für Patientinnen/Ratsuchende mit pathogener BRCA1/2 Mutation
    • Präventive Beratung zur Stärkung der Gesundheitskompetenz bei werdenden Müttern – GeMuKi: Gemeinsam gesund. Vorsorge plus für Mutter und Kind
    • Entwicklung und Validierung eines Instruments zur Erhebung der Gesundheitskompetenz von Patienten in der kardiologischen Rehabilitation
    • EDCP-BRCA – Evaluation eines Decision Coaching Programms zur Verbesserung der Entscheidungsqualität bei präferenzsensiblen Entscheidungen bei Brustkrebs Hochrisiko Patientinnen (BRCA-Mutationsträgerinnen)
Farah Nawabi
Maren Töpper
Sibylle Kautz-Freimut
Anna Isselhard
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin ÄZQ

https://www.patienten-information.de/

Projekt:

    • Sind verlässliche Gesundheitsinformationen in leichter Sprache möglich? Ein Projekt von ÄZQ und Special Olympics
Corinna Schaefer
Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg – Krebsinformationsdienst KID

https://www.krebsinformationsdienst.de/

Projekte:

    • Krebsinformation in leichter Sprache;
    • Fit in Gesundheitsfragen
Birgit Hiller
EVIMED-INSTITUT, Köln

https://patientengeschichten.online/

Projekt:

    • Patienten berichten über ihre Erfahrungen. patientengeschichten.online          
Philipp Ollenschläger
Günter Ollenschläger
Otto-von-Gericke Universität Magdeburg, Pädagogische Hochschule Freiburg, Universität Regensburg, Medizinische Hochschule Hannover

Projekt:

    • Gesundheitskompetenz in der frühkindlichen Allergieprävention – elterliche Kompetenzen und der Public Health Kontext angesichts sich ändernder Evidenzlage
Eva Maria Bitzer
Marie-Luise Dierks
Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Geschäftsstelle Berlin

https://patientenbeauftragte.de/

Projekt:

    • Bestandsaufnahme für Arbeitshilfen, Leitlinien und Best Practice Beispiele für gesundheitskompetente Gesundheitseinrichtungen
Doreen Penning-Poggenbeck

 

Patientenuniversität Hannover

http://www.patientenuniversitaet.de/

Projekte:

    • Das Promotionsprogramm „ChEG – chronische Erkrankungen und Gesundheitskompetenz“
    • INSEA – Selbstmanagement für Menschen mit chronischen Erkrankungen
    • Gesundheitskompetenz im Arbeitsleben fördern – Erarbeitung eines Methodenkoffers für das Betriebliche Gesundheitsmanagement
Marie-Luise Dierks
Gabriele Seidel
„Was hab‘ ich?“ gemeinnützige GmbH, Dresden

https://washabich.de

Projekt:

    • Patientenbriefe wirken
Ansgar Jonietz

Anmeldung

War bis zum 31. möglich. (Der Workshop ist exklusiv für Mitglieder und Partner des DNGK). Weitere Informationen über das DNGK: https://dngk.de.

 

  • Redaktion: Team DNGK
  • Letzte Überarbeitung:  26. 9. 2019

 

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